Wer bringt Qualität ins WebTV?
11. Februar 2009 von Dr. Anja RauDer 86. MedienMittwoch befasst sich mit einem Thema, das 2009 endlich und angeblich seinen massentauglichen Durchbruch erleben soll: WebTV, also die altbekannte Glotze, jetzt jederzeit und überall über’s Internet abrufbar. Der Schwerpunkt liegt dabei heute - zumindest wird das so angekündigt - auf der Werbebranche: Ist der TV-Spot am Ende? Oder bietet Bewegtbild im Internet eine neue Chance für Marken, ihre Message unters Volk zu bringen?
Es diskutieren:
- Achim Apell von der Kinowelt Television GmbH
- Ibrahim Evsan von der sevenload GmbH und
- Michael Wurzer von der verytv GmbH,
Moderator ist dieses Mal wieder Christoph Salzig von pr://ip.
Der Saal im OG der Deutschen Bibliothek in FFM ist realtiv voll (man munkelt von 600 Anmeldungen) und Tobias Kirchhofer von BlueMars eröffnet.
(Kurz böse Blicke - ich hab gerade versucht, verytv zu recherchieren, die leider ihre Website direkt und not by request mit Ton starten.)
Um noch mal die Einladung zu wiederholen, die Tobias Kirchhofer bei seiner netten Vorstellung ausgesprochen hat: ein Blog ist immer nur *eine* mögliche subjektive Sicht. Bitte gern die Kommentarfunktion nutzen und mitreden!
Ute Schwens, Direktorin der Deutschen Nationalbibliothek FFM: “Medien sind alles, was wir hier sammeln” - also ein rein physicher Medienbegriff. Eigentlich ein ganz ent-spannender Ansatz: das Medium als neutraler Träger, der Inhalte übermittelt, aber nicht prägt. Aber auch mal eine ganz untypische Sicht aufs Internet primär als archivarische Herausforderung.
Noch eine Vorrede, jetzt von Oliver Harmel von NTT Europe Online. Internet als Infrastruktur-Problem. “Qualität” versteht er als Zuverlässigkeit der Live-Übertragung via IP. Für Sport klar, Sport ist sowohl ein massiver Wirtschaftsfaktor in der TV-Branche als auch nur live erst schön. Aber IPTV ist ja noch viel mehr, u.a. die Befreiung der Fernsehnation vom programmierten Tagesablauf.
Christoph Salzig stellt die Panel-Teilnehmer vor und ich komme langsam ins multikommunikative Schwitzen, denn hier wird parallel getwittert (#medienmittwoch) und Twitter-Fragen sollen live in die Diskussion mit einfließen. Ibo Evsan http://twitter.com/Ibo tuts sogar live vom Podium (während ebenso live der WebTV-Einspieler crasht). Alles so schön bunt hier!
verytv hat einen sehr süßen Erklär-Spot: “WebTV kann jeder machen, aber nicht jedes Thema ist eine gute Idee.” Und das ist auch gleich Salzigs Überleitung zu WebTV-machenden Werbern und Markenartiklern.
Also los: Ist es eine gute Idee, wenn Marken ins Web gehen?
Achim Apell ist dafür und wundert sich, dass “es” nicht mehr Marken tun. Qualität sei dann die nächste Frage. (Allerdings setz Apell jetzt WebTV mit Videoinhalten gleich. Ich bin mir nicht so sicher, ob das nicht zu kurz greift.)
Evsan sieht WebTV eher als Zuschauermedium und die Marken als aufgerufen, ihre eigene Sichtweise daneben zu stellen, wenn die Menschen über sie sprechen. Und: “Die Leute wissen noch nicht genau, wie das funktioniert.”
Wurzer sieht WebTV als die Möglichkeit, Marken über Inhalte aufzubauen und wegzugehen von inszenierten Werbebotschaften. Und der Hinweis: Internet ist als Distributionskanal für Bewegsbild unschlagbar billig.
Wir sind weiterhin bei Marken im WebTV und Salzig fragt, ob wir denn 2009 innovativen, originären WebTV-Content erwarten können. Momentemal - wieso sollte der denn von Markenartiklern kommen? Wurzer: “Marken stehen für gleichbleibende Qualität und Vertrauen.” - Aber ist denn, wer den Computer meines Vertrauens baut auch der, der mein bevorzugtes Entertainment macht? OK, blödes Beispiel (http://www.apple.com/getamac/ads/), aber Sie wissen, was ich meine … Und wie BMW movies einfach auf Content von etablierten Providern zurückzugreifen kann es auf Dauer doch nicht sein.
Jetzt gibt es ein 1-on-1 zwischen Salzig und Wurzer, die dazu aufstehen und sich an den Bistro-Tisch stellen. Hier ist wirklich was los … Sendeplatz auf verytv: ca. EUR 20K, Dreh für einen Spot: EUR 6K. Nice to know (und eine ganz unverbindliche Preisempfehlung).
Wurzer: Bloss, weil es WebTV ist, darf es nicht nach UserGeneratedContent aussehen, sondern muss mit dem Image-Film mithalten können. Aber da gibt es sicher noch eine Bandbreite, denke ich mal.
Apell: Erst kommt die Story, dann kommt das Budget. You wish. (Und Applaus für die Ansage, dass das Madonna-Movie das große kreative Highlight der letzten Jahre war und sich die Szene seitdem maximal horizontal bewegt.)
Nach ner guten Stunde greift das Panel zum ersten Mal (anonymisiert) einen Twitter-Kommentar auf, nämlich dass die Diskussion doch arg von der Sichtweise der Auftraggeber der anwesenden Provider geprägt sei. Apell schießt zurück mit Beispielen von Online-Restverwertung durch TV-Sender (von UGC ganz zu schweigen). Schwerpunkt bleibt weiterhin Marken-TV, preisgünstig übers Web ausgestrahlt.
Immerhin die kritische Nachfrage: Muss es denn sein, dass die Marken nur alte TV-Spots reinstellen, statt Contents zu (er)finden, die den Markenkern sinnvoll verlängern.
Evsan spricht über’s Embedding als Tool zur Generierung von Consumer Insights. Das bricht eine Lanze für die Nutzung von WebTV durch Marken (= seine potenziellen Kunden), sagt aber nichts über Content und Innovation.
Kurzer Exkurs zu Mercedes Mixed Tape und weiter mit der Frage nach der Integration von E-Commerce. Wurzer assoziiert zuerst, den Shopping-TV-Kanal im Web zu “senden”. Da ist YouTube schon weiter.
Mein Akku ist gleich alle und noch kein Kommentar im Blog. Aber bei Twitter geht’s rund.
Oha! “Was macht WebTV wirklich sexy?” Frage aus dem Publikum mit der dringenden Bitte, doch mal vom “Einzelschicksal” des werbefinanzierten Anbieters abzusehen … yes, please. Antwort: naja, es gibt ja Möglichen, gute Stories zu erzählen. Also bitte. Salzig dagegen: wieso muss ZDF den Autodidakten Elektronischer Reporter featuren. Können die’s nicht selbst?
yetanotherfish bittet über Twitter darum, mal den Web-typischen Rückkanal zu thematisieren. Und da wird es doch interessant. Denn über welchen Kanal ich same old same old ausspiele, ist doch mehr als nebensächlich. Im selben Horn der Kommentar eines Drehbuchautors aus dem Publikum: dass es beim Thema “Qualität” nun doch eben nicht um die Service-Qualität der Infrastruktur gehen kann. Auch, wenn Ibo Evsan stolz auf seine Plattform ist und sein darf.
Wurzer: “Die Leute, die wissen, wie man Qualität im TV macht, bringen auch die Qualität ins WebTV. Die wissen nur noch nicht, wie man sowas im Web bekannt macht.” Bitte mals ins Twitter schauen und die Frage nach Interaktion und Rückkanal aufgreifen …
Markus Goldemann zieht aus dem Publikum noch mal schön die Linie zwischen Film-Formaten, wie sie jeder auf seine Website stellen kann (und über die wir hier anscheinend ausschließlich sprechen) und TV-Programm-ähnlichen Inhalten, die über’s Web distribuiert werden. Mit dem engeren TV-Begriff wären wir vielleicht weiter von der Werbung weggekommen. Wer weiß.
Bevor wir jetzt ins lustige YouTube-Surfen abdriften, bläst Salzig zum Wrap-up. Was wünschen wir uns für die Entwicklung des WebTV in diesem Jahr?
Wurzer: Möglichst viele Player und nicht nur Image-Filme.
Evsan: Mehr Handlung, WebTV aufs TV-Gerät, Förderung von Künstlern (wie Stefan Raab und so …)
Apell: PayTV auf vielen Plattformen, engere Zusammenarbeit zwischen Agenturen und TV-Leuten, neue Formate.
Das war’s, jetzt kommt das Networking. Oder doch noch ein YouTube Filmchen? Takethisdance.com = der Weg, den WebTV gehen wird und soll (Salzig).
11. Februar 2009 at 22:18
Lustige Veranstaltung bei der nichts herausgekommen ist was einmal in der Überschrift stand.
Wir sahen einen alten Fernsehhasen, der hauptsächlich über seine Probleme und die Gelder des ZDF philosophierte und einen very.tv Mann der eigentlich nur seine Produkte verkaufen wollte.
Einzig Ibo konnte die Qualität halten.
Was fehlte mir:
Einfach mal eine Diskussion über die Möglichkeiten des Web-TV für Marken
Branded entertainment war mal kurz ein Schlagwort - keiner ist drauf eingegangen.
Monetarisierung WEB-TV Content? Fehlanzeige.
Und da hätten wir gerade viel erwartet und auch viel sagen können.
Feedback aus dem Publikum? Ein Drehbuchautor meldete sich und meinte, dass TV Macher auch WEB TV machen sollte.
Alles Schmarrn, denn Web-TV funktioniert schon dramaturgisch vollkommen anders als TV. Man kann nichts aus dem TV ins WEB einfach adaptieren und dann meinen das würde erfolgreich laufen. Aber klar jetzt im WEB-TV Zeitalter kommen alle aus Ihren Löchern die irgendwann einmal mehr oder weniger erfolgreich etwas für das TV getan haben. Das Gute auch für uns ist, die verschwinden aber genauso schnell wieder.
Die Produktionskosten, die aufgerufen wurden vom very.tv Mann waren völlig überzogen.
25 k für Setupfee Technik ist fern ab jedweder Realität. Wer soll das zahlen.
Dafür drehen wir eine 10teilige Serie fürs Web (branded entertainment) wohlmöglich noch mit einem prominenten Host.
Insgesamt schwache Veranstaltung, die auch schnell auf Ende drängte, evtl. weil Fussball im TV lief? Ich weiss es nicht.
Kein Beispiel eines funktionierenden Web TV Formates, was Reichweite generiert und sogar eine Kundennutzen bringt wurde genannt.
Ausser Horst Schlämmer Blog.
Der elektrische Reporter noch, aber der hat NULL Reichweite.
Schade.
Grüsse
Michael Lederer
11. Februar 2009 at 23:18
Die ewige Frage! Für welche Zielgruppe soll adäquate Qualität produziert werden?
Z.B. biete das Internet die Möglichkeit, “Randgruppen” gezielt mit Inhalten zu versorgen. Diese Zielgruppen / Fachgruppen wurden in der Vergangenheit aus Kostengründen nicht mit “bewegten Bildern” versorgt.
Nun bietet sich mit dem budgetfreunlichem Medium webTV auch die Möglichkeit hier eine neue Qualität - auch interessant für Kundengruppen/Markenartikler - die sich sonst nur auf Print-Fachmedien eingelassen haben. Es gibt einige Inhalte, die durch Visualisierungen - kombiniert mit den interaktiven Möglichkeiten - eine verbesserte Qualität der Kommunikation hervorbringen könnten.
Solche Aspekte haben mir heute gefehlt - vielleicht wurden diese nicht angesprochen, da es sich ja auch immer um Geschäftsmodelle handelt.
AD
11. Februar 2009 at 23:19
Mir fehlten an dem Abend ein paar einleitende Facts, die dem Thema gut getan hätten. Wie sieht die WebTV Landschaft denn momentan aus? Was ist beliebt bei den Nutzern, was nicht? Welcher Content wird am meisten gesucht (Sport, Musik, Entertainment, Auto, News…), wer sind die gegenwärtigen Contentlieferanten? Zeitungen, Sender, Freie Journalisten..
Zudem wären ein paar Zahlen und Fakten hinsichtlich des Wachstums von WebTV Inhalten nützlich gewesen. Weiterhin hätte eine kurze Einleitung in das Thema WebTV gut getan und wo die technischen Unterschiede und Möglichkeiten zum klassischen TV sind. Aber gut, vielleicht ist das ganze Thema noch zu frisch, um belastbare Fakten zu liefern. Insgesamt wurde nur von professionell erzeugtem Content gesprochen. Dazu passte der Zwischenruf aus dem Puplikum man müsste doch die bisherigen Schreiber, Filmer und die Contentanbieter zusammen bringen, um Qualität zu erzeugen. Hier geht die Angst um, dass ein Markt an den bisherigen Produktionsfirmen und Vertriebswegen vorbei geht. Gerade hier hat WebTV eine Chance die etablierten Produzenten, Agenturen und Sender unter Druck zu setzen, man denke nur an das Projekt “Ehrensenf” das mit einfachen Mitteln durchaus beachtliches geleistet hat - besser, frecher und frischer können es die Etablierten auch nicht. WebTv sollte nicht nur als ein Kommunikationsinstrument der Unternehmen verstanden werden, es geht auch darum Unterhaltung und ernste journalistische Inhalte zu transportieren, frei von Vermarktungsgedanken.
12. Februar 2009 at 09:50
@Eisenhhower
Ehrensenf - richtig - Journalismus auch gut.
Aber das bezahlt einem keiner mehr. Und Ehrensenf hat keine Reichweite mehr.
Da könnte ich noch hunderte Beispiele bringen.
D11B.de - tolles Stopmotion-Werk. Wurde von Investoren finanziert - eine Zeit lang. Keiner wollte es haben. Reichweite? - Das sit eines der erfolgreichsten Formate bei Youtube mit 2000 Abonnementen.
Calli.tv - funktioniert nicht mehr wie in der letzten Saison - GF-Modell wahr Lizensierung und Mehrkanalstrategie - jetzt ist Calli.tv froh über einen Sponsor, damit sich das Format so in etwa trägt.
Ironcalli.de - läuft nur über Sponsoring und war ein harter Kampf.
Mattesundulf.de - kriegt keine Lizenzen und Werbekunden
usw und so fort.
12. Februar 2009 at 10:12
Aber für Marken gibt es bereits eine Lösung.
Eigenes (branded) Entertainent Format
Einbindung der Marke.
Produktion einer Staffel (10-12 Folgen)
Distribution über expanded rich media Banner.
Verweis auf Microsite für das Format - Marke dort eingebunden.
Responsequoten über die man nicht mal im Traum nachgedacht hat.
= No Blind Dates sondern echte Rendezvous!
Innovationskraft Web-TV fehlte gestern völlig.
12. Februar 2009 at 10:55
Na, das klingt ja nach einer uninteressanten Veranstaltung für Marketing- und Mediamenschen. Ich war nicht da - und nach dem Blog bedaure ich das auch nicht mehr, denn es sieht so aus, als wäre die Chance vorbeigezogen, über kreativen Bewegtbildcontent (Fiktion, Dokumentation, Videocasts, Local News….) und deren Produktionsbedingungen (Funding, Monetarisierung - und sei es über Product Placement - aber auch Qualität bei Script und Production Values) im Rhein Main Gebiet zu reden. Gibts dafür in der Gegend ein geeigneteres Forum?
Oh BTW: meine Webseite ist eine einzige Baustelle - also nicht erschrecken, wenn ihr auf den Link klickt…
12. Februar 2009 at 16:19
Ich finde in den Kommentaren bekommt die Veranstaltung einen negativen Zungenschlag, den sie so nicht verdient hat. Inhaltlich ist man natürlich nicht sehr viel weiter gekommen. Insbesondere in der Frage, warum sollten sich breite Massen der Bevölkerung für Web TV von Markenartiklern interessieren.
Ich finde aber, dass das Setting der Veranstaltung hervorragend war. Die Web-TV Beispiele und Statements über den Beamer und der souveräne Moderator erzeugten eine “Hart aber fair” Atmosphäre. Es war sehr kurzweilig und hat sicherlich eine Menge Anregungen enthalten, über Web TV nachzudenken.
12. Februar 2009 at 20:31
Ich habe den gestrigen MedienMittwoch als interessant, lebhaft und abwechslungsreich erlebt. Das Experiment mit vorbereiteten Einspielern, der Live-Google Suche und dem 1:1 Interview am separaten Tisch war gelungen. Die vielen Kommentare in diesem Blog spiegeln bereits die rege Zuschauerbeteiligung wieder.
Auch wenn die Diskussion das Thema nicht immer voll getroffen hat und einige Fragen offen blieben, so hat sich der Besuch des MedienMittwochs auf jeden Fall gelohnt.
12. September 2009 at 11:53
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23. März 2010 at 16:51
Interessanter Beitrag - aber sag mal bitte wo ich meinen alten DVD-Player verkaufen könnte, bei ebay habe ich es schon versucht aber es haben nur Betrüger mitgeboten. Auch bei http://dimida.de habe ich das Teil reingestellt aber es hat sich niemand gemeldet… wo kann man es noch probieren? danke!
16. Mai 2010 at 02:39
There are certainly a lot of details like that to take into consideration. That?s a great point to bring up. I offer the thoughts above as general inspiration but clearly there are questions like the one you bring up where the most important thing will be