Ist das Internet eine Marketing-Seuche?
23. Mai 2007 von Dr. Anja RauVorgeplänkel
17 Uhr 07, willkommen zum medienmittwoch “Ist das Internet eine Marketing-Seuche?” auf der Messe marketingservices 2007. Bis auf das Podium ist jeder Platz besetzt - gleich geht’s los.
Wer jetzt gerade aktuell mitliest, wird die laufende Veranstaltung leider nicht auf der medienmittwoch Website finden: das Archiv geht nur bis zur letzten Veranstaltung, und das aktuelle Event ist schon das nächste (klingt kompliziert, isses auch). Ab morgen wird das sicher besser. Leider heißt das, dass ich nicht in den Visitenkarten der Podiumsteilnehmer spicken kann.
Einführung
Tobias Kirchhofer von BlueMars leitet ein, wiewohl Frank Vahldiek von Vodafone nocht nicht gesichtet wurde. Es sprechen: Volker Schütz (Horizont), Hansjörg Zimmermann (Das Goldene Vlies), Florian Ruckert (IP Deutschland), Laurent Burdin (SinnerSchrader) and Frank Vahldiek (Vodafone).
Anmoderation: Volker Schütz
… verspricht nicht zu viel Web 2.0 Bubble, dafür “User Generated Podiumsdiskussion”. Und gleich die Frage: wer hat einen Avatar in Second Life. Von der Unternehmen scheint irgendwie BlueMars da vorne dabei zu sein. Privatnutzer sind es ca. 20% der Anwesenden.
Florian Ruckert von IP Deutschland bewertet Second Life als reines PR-Instrument (wenn man drin ist, kann man eine Pressemeldung loslassen). Laurent Burdin von SinnerSchrader sucht noch nach der verbindlichen Reason Why. Hansjörg Zimmermann träumt von seinem Avatar, der dann vielleicht der Zielgruppe angehört. Er selbst tut das nach eigenen Einschätzung jedoch nicht. … Und Frank Vahldiek ist wahrscheinlich gerade nur in Second Life zu erreichen …
Zurzeit, so die Einschätzung, tummeln sich in SL wohl nur die Medien-People selbst. Genau das hat man in den ersten Monaten des kommerziellen Internet auch gesagt … damals, 99/2000.
Situation der Print-Verlage und von TV
Wie ist die aktuelle Übernahme-Flut einzuschätzen? Was passiert auf dem Print-Markt? Google zumindest macht hier niemandem Sorgen.
Ruckert: “Google sitzt am fragmentierten Ende des TV-Markts.” Wir haben z.Zt. einen Goldrausch, so Ruckert, bei dem verdienen einige, aber am meisten verdienen die, die Schaufeln verkaufen.
mobile
Frank Vahldiek bricht eine Lanze für mobile als neuem, attraktiven Werbeträger. Das sieht Volker Schütz allerdings kritisch. Handy, so meint er, sei doch schon vor 2 Jahren hochgelobt worde und ummer noch nicht da. Vahldiek betont die Wachstumskurve.
Realistisch gesehen gibt es da sicher eine Interdependenz: mit jedem Stückchen besserer Durchdringung wächst der Anreiz, besseren Content und coolere Endgeräte auf den Markt zu bringen. Und Content und Gadgets treiben wiederum die Nutzung. Siehe Online-Communities: Ende der 90er waren die Vertikalen Communities ein schöner Marketing-Traum. Jetzt haben wir in DE zumindest 60% Internet, 30% Breitband und auf einmal sind die Menschen da.
Konvergenz der Agenturen
Laurent Burdin spricht sich dafür aus, dass sich nicht mehr die Klassik-Agenturen Online-Kompetenzen reinholen, sondern umgekehrt, die Online-Agenturen müssen sich Klassik-Know-how ranschaffen. Es gehe eben nicht um technische Lösungen, sondern um Marketing-Ideen, fasst Schütz zusammen.
So, jetzt gehen die Themen durcheinander, ich lasse das mit den Zwischenüberschriften ab hier
Burdin: Die Marke muss dem Konsumenten durch die Medien folgen. Frank Vahldiek sieht dagegen immer noch das bekannte Sender-Empfänger-Modell.
Schütz spricht Ruckert an, der vor ein paar Jahren TV als den Leuchtturm der Werbung postuliert habe. Der sieht natürlich dass News, auch Marken-News im Internet schneller reisen als in lokal gebundenen Gruppen. Aber das Marketing muss die Marke führen und da Orientierung bieten. Je mehr action, Viral und Wildwuchs es im Internet gibt, desto mehr klassischer Markenkommunikation bedarf es, um die Marke on Brand zu halten. Für Laurent Burdin gibt es trotzdem nichts Spannenderes zurzeit, als in einer Interaktiv-Agentur zu sein.
Hanjörg Zimmermann erinnert daran, dass die Menschen trotz medialer Veränderung immer noch dieselben sind und dass darum Kommunikation immer noch genau so läuft wie “früher”. Die kreativen Prozesse, mit denen man die Menschen erreicht, hätten sich gegenüber vor 10-20 Jahren nicht verändert. Allerdings haben wir alle Online noch nicht verstanden. (Das reduziert er allerdings auf die Erkenntnis, dass die Zeitungen seit 200 Jahren 5-7 Spalten haben, die flattern oder nicht. Das ist natürlich etwas verkürzt.) Internet ist ein Kanal unter vielen und einer wie alle anderen.
Vahldiek mahnt an, dass es immer noch nicht gelungen sein, die Verbindung zwischen Klassik und Interakiv herzustellen. Der Kreative sei einfach mit der Technik überfordert und könne damit nicht genug spielen, um kreativ werden zu können.
Ruckert als Vermarkter sieht das auch: Gesprächspartner für Integration findet er in den Unternehmen (die sich das wünschen), nicht in den Agenturen. Und wenn TV dann online gehe, wo wolle man sich da hinwenden: an die Klassik- oder an die Interaktiv-Agentur?
Jetzt geht’s los mit User Generated Podiumsdiskussion und die Unterhaltung wird für das Publikum geöffnet
Kirchhofer fragt nach den Prognosen für die Agentur-Branche, Burdin erwartet, dass die großen Klassiker nach Online greifen werden und gleichzeitig die Interaktiven klassische Kompetenzen erwerben werden.
Ein Teilnehmer von Handelsblatt fragt nach dem Verhältnis 1:1 und Massenkommunikation. Vahldiek hofft auf skalierbare Profildaten und erwartet daraus einen großen Vorteil für den Kunden: “relevante Werbung wird zu Information”. Zimmermann erinnert daran, dass die Gelder, die z.Zt. investiert werden, aus den Verlagen kommen, die ihre Zielgruppe dort holen wollen, wo sie sich aufhält, egal, wo das sein mag. Und wenn der Murdoch das tue, dann wollten die anderen das auch.
Aus der Halle hört man schon die Beats der After-Fair Party … darum flaut die Contribution-Tendenz aus dem Publikum stark ab, tendiert gegen Null und führt zum Ende der Veranstaltung. Ich warte noch einen Moment auf Teilnehmer, die gern spontan Kommentare schreiben mögen, dann gehe ich feiern und empfehle mich bis zum nächsten interaktiven medienmittwoch!
23. Mai 2007 at 15:50
[...] The event starts around 5pm CET and I will be blogging (in German!) from this permalink: medienmittwoch 23. Mai 2007: Ist das Internet eine Marketing-Seuche?. [...]
23. Mai 2007 at 17:38
Was, Beginn schon um 17 Uhr? Diesen Monat ist der MedienMittwoch aber wirklich etwas kompliziert. Erst kann man sich nicht anmelden wegen der vielen Veranstaltungen, von denen eine immer gerade diejenige blockiert, für die man sich eigentlich anmelden wollte, und dann beginnt der m² schon 2 Stunden früher als sonst. Schade, ich wäre gerne gekommen…
23. Mai 2007 at 20:52
Mir ist das eigentliche Thema “Marketing-Seuche” etwas zu kurz gekommen. Alles in allem wurde sehr schön der aktuelle Stand (und die Probleme) des Internet-Marketing beleuchtet.
Einige Interessante Aspekte wurden von den Teilnehmern dargestellt und aus Ihrer Sicht erläutert. Ich hätte mir aber gewünscht, dass etwas mehr die Provokation die im Titel der Veranstaltung postuliert wurde, thematisiert oder besser noch vehement in Frage gestellt / diskutiert worden wäre.
Kurz: inhaltlich ganz nett, aber leider Thema verfehlt!
24. Mai 2007 at 12:37
[…] Eigentlich gings bei der Diskussionsrunde mehr darum, wie die Agenturen mit ihren Kunden besser zusammenarbeiten könnten, wenn es um die Abdeckung verschiedener Kanäle bei einer Werbekampagne. Dass aber auch nur einer mal auf die Idee kam, dass Werbung die Kunden immer mehr ankotzt und die Werbewirkung möglicherweise auch Dank des Webs immer stärker nachlässt, wurde nicht angesprochen. Alternative Formen? Irgendwas Kerniges? Fehlanzeige. […]
24. Mai 2007 at 13:48
[…] Es war ungefähr Halbzeit beim Medienmittwoch gestern auf der Messe marketing services in Frankfurt, als Moderator Volker Schütz (Chefredakteur Horizont) das Bild vom Feldherrenhügel gebrauchte. Von diesem Hügel aus werden, so sein Bild, Marketingfeldzüge geplant und Kampagnen gelenkt. Nun kommt das Internet und demokratisiert plötzlich die Marken (siehe auch Brand Wikization) – kann das überhaupt funktionieren?
Nein, war sich die vierköpfige Diskussionsrunde rasch einig. Was nicht funktioniert, sind aber nicht etwa Brand Wikization oder demokratisierte Marken – sondern Marketingfeldzüge vom Feldherrenhügel aus. Die gehören der Vergangenheit an. […]
27. Mai 2007 at 20:35
[...] Last week’s MedienMittwoch Ist das Internet eine Marketing-Seuche was a compact little (1 hour) event with a verbalized and (rare treat!) controversial panel. After a bit of position-fixing, the main topics were: [...]
8. Dezember 2009 at 07:38
Super Webseite - Hätte da klitze kleine Frage. Mein Ego ist auch gegenwärtig dabei meinen eigenen Blog zu schreiben und ich finde dein Design schön. downloaden