Social Commerce meets eCommerce
08. November 2006 von Dr. Anja RauNachtrag 9.11.06: Die Bildergalerie zum Medienmittwoch “Social Commerce meets eCommerce” ist online! (AR)
Willkommen beim 59. Medienmittwoch, der unter dem Titel “Social Commerce meets eCommerce” im Hause Neckermann an der Hanauer Landstraße stattfindet.
Ich habe heute Abend eine diplomierte Designerin an meiner Seite, die mich bittet, die geschmackvolle “Wohnlandschaft mit Coffeetable” auf der Bühne prominent auszuloben.
Positiv ist auch aufgefallen: das Wegeleitsystem ab Hanauer - überlebensgroße, wahrscheinlich wetterfeste Aufsteller, die also auch auf die Natur der Veranstaltung (59. Medienmittwoch) auf den Pfad (”noch 300 Meter” - “im Gebäude schräg gegenüber”) verweisen. Da hat jemand an die Usability gedacht.
Und auf Bitte des BlueMars Fotokünstlers werde ich diesen m2 erstmalig auch von oben nach unten begleiten. Viel Spaß dabei!
Geladen sind heute, neben Moderator Christoph Salzig (BVDW):
- Dr. Markus Krechting, neckermann.de
- Prof. Peter Kabel, JvM/next
- Roland Fesenmayr, OXID esales
- Günther Frey, Hess. Wirtschaftsministerium
- Christian Michael, Google
und
- Ossi Urchs, FFT Medien
### Intro ###
Es ist soweit: Tobias Kirchhofer eröffnet den Abend. eCommerce und Web 2.0 - wie bewegt sich und was bewirkt diese Synthese?
### Grußwort Harald Gutschi, neckermann.de ###
Und wir können’s jetzt verraten: die Sessel aus der Wohnlandschaft sind von neckermann.de, 99 EUR / Stück. Im neckermann-Adventskalender auch für 49 EUR zu haben. Leider nur 4 Sessel statt 6, weil 2 davon gerade verkauft wurden. Schnelle Statistik: 90 % der hier angemeldeten haben noch nicht bei neckermann.de - das Potential ist also vielversprechend.
1974: Josef Neckermann sagt voraus, dass im Jahr 2000 der Versandhandel komplett über EDV laufen wird - well done. (Zur Feier des Tages gibt es die Ohrensessel für die Anwesenden 20% rabattiert - Grund genug, den nächsten Medienmittwoch live zu erleben, statt ihn “nur” im Blog nachzulesen ….)
### Grußwort des Wirtschaftsministeriums Hessen, Günther Frey ###
Die Welt geht online, das Potential ist noch lange nicht ausgeschöpft, die Grenze für innovative Ideen ist noch lange nicht absehbar. Das WiMi unterstützt den Landkreis mit der Initiative “Mehr Breitband für Hessen”. Siehe auch hessen-it bzw. die Unterseite der Initiative bzw die Richtlinien des Landes Hessen zur Innovationsförderung (PDF, 85 KB).
### Christoph Salzig ###
Chr. Salzig erinnert an die innige Verbindung von New Economy und Sitzmöbeln. Leitmotiv der Diskussion könnte werden “dem eCommerce in Deutschland fehlt das Entertainment” (ein Zitat. leider ist mir der Urheber entgangen).
### Erste Frage an Peter Kabel: Es heißt, die Wetter-Voraussagen von Kabel sind besser als der Wetterbericht. Also: wo geht’s hin?! ###
PK: Morgen wird ein ganz normaler Tag. Web 2.0 kommt mit viel Euphorie und guten Ideen und ist sicher revolutionär - aber die praktischen, erfolgreichen Umsetzungen sind viel mühsamer und langsamer zu erreichen. Wenn man sich ernsthaft mit diesen Themen beschäftigt, kommt man auch voran.
### Frage an den Vertreter von Google: Die eCommerce-Features von Google sind noch nicht so sichtbar (nicht? AR). Wie gehen Communities und Marktplätze zusammen? ###
CM: verweist auf das Empfehlungsmanagement, Social Commerce, soziale Interaktion im Konsumverhalten.
### Manche spielen das Thema auch stark runter. Sind wir zu kritisch / vorsichtig? ###
Ossi Urchs: Der Deutsche an sich ist sehr analytisch und nicht so sehr der Pionier. Und einige haben einfach Angst, von der Entwicklung angehängt zu werden.
### Frage an Markus Krechting: Muss man / neckermann.de sich diesen Schuh anziehen? ###
MK: warnt vor dem Hype, dem man kaum gerecht werden kann. neckermann.de beschäftigt sich intensiv mit Web 2.0, ist aber noch nicht soweit, dass der Social Commerce “echte harte Zahlen” generiert. Die vom Hype beflügelte Erwartungshaltung ist nur schwer zu bedienen.
Aber unter dem Hype gibt es wichtige Entwicklungen, die das Nutzungsverhalten nachhaltig, und zurzeit noch unberechenbar, verändern werden. Siehe YouTube etc. - oder eben neckermann.tv.
### Frage an Roland Fesenmeyer: gibt es ein gutes Social Commerce Beispiel? ###
RF: Ein wichtiger Faktor für Conversion ist Vertrauen. Gerade für weniger bekannte / starke Marken profitieren von Social Commerce und Empfehlungen. Shops mit user generated Produktbeschreibung steigen bei Google nach oben.
Der Weg on Social Networks zu Social Commerce wird weit nach oben führen.
Ossi Urchs: Ein Blog, das alle Tools nutzt (Pagerank etc.) hat automatisch eine Auswirkung auf den PageRank.
Salzig: Wieviel sind denn Empfehlungen von Leuten wert, wenn man die Leute gar nicht selbst kennt?
Peter Kabel: Schaun wir mal auf die kleinen Beispiele, aus denen die Innovationen kommen. Z.B. Zanox (Affiliate Marketing). Von den Affiliates hat keiner einen Riesen-Traffic, aber hunderttausende davon zusammen bringen dem Händler dann doch Umsatz. Vielleicht passen nicht alle Web 2.0 Konzepte für alle Unternehmensgrößen.
### CS: Ist Google ein Meta-Medienhaus? Warum steigt Google nicht direkt in den kommerziellen Wettbewerb, den Online-Handel mit Waren und Dienstleistungen ein? ###
CM: Ist das denn die Mission, die Vision von Google? Die ist doch “die Informationen dieser Welt universell verfügbar und nützlich zu machen”. Alle Informationen - das ist ein heres Ziel. Google ist ein Vermittler, kein Händler. Google konzentriert sich auf seine Kernkompetenz.
Markus Krechting: Social Commerce = gute Kunden zu Verkäufern machen. Aber was muss der Kunde alles können und wissen, um Verkäufern sein zu können? Google liefert Tools für diese Workflows, wie den gerade gelaunchten Checkout-Prozess.
CM: Die Tools mögen Web 2.0 sein, die Logistik hinten dran ist oft noch Web 0.5.
Peter Kabel: Das schönste Web 2.0 Frontend nutzt nichts, wenn das Fulfillment oder auch nur der Clickthrough nicht funktionieren.
CM: weist darauf hin, dass direkt unter uns das neckermann-Logistik-Center sitzt. Logistik ist nicht das Ding von Google. Übrigens: 50% der Produkte werden im Internet recherchiert, aber nicht gekauft. Google will dem Konsumenten, z.B. mit Checkout, Sicherheit bieten, Vertrauen zu schauffen, gerade für kleine Shops.
Peter Kabel: widerspricht dem nicht wirklich.
RF: Deutschland muss bei Social Commerce auch noch bzgl. der rechtlichen Rahmenbedingungen dazulernen (siehe Mediamarkt, siehe Affiliate-Urteile der letzten Zeit).
Ossi Urchs: Google Checkout etc. sind Enabler für den Privatmenschen und kleinen Händler.
Vertrauen, Vertrauen, Vertrauen. Tools, Tools, Tools. Alles wird gut.
Salzig: wie sieht das denn mit der Refinanzierung aus, gerade für “die Kleinen”?
RF: Wichtig ist auch, dass man die unterschiedlichen Tools mit Spass “remixen” kann.
BBC-These: in 10 Jahren werden 15% des Webs von One-Man-Shows gestaltet. (Würde mich nicht wundern, wenn das heute schon mehr sind … AR)
MK: Pioniergeist, Aufbruchsstimmung, weg von den Experten-Systemen, … das wird den Markt richtig verändern.
Power-Beispiel: ein Produkt war letztlich bei neckermann.de nur 5 Stunden ab 6 Uhr morgens bestellbar. Es gibt eine 4-stellig Anzahl von Beiträgen zu diesem Produkt, ein Beitrag dazu mit 25.000 Klicks. (Krechting sagt nicht, um welches Produkt es sich handelt und ich kann es gerade nicht wirklich erfolgreich googeln).
Peter Kabel: zweifelt an, ob das ein beliebig skalierbarer online-Effekt ist, oder ob es bestimmte Konstallationen gibt, die eben zu Wellen in der Blogosphere führen und bei anderen bleibt alles still.
Ossi Urchs: fühlt mit dem Markenpapst, der mit User Generated Content nicht glücklich werden kann.
Krechting: IPSOS-Studie zur Wirkung von Online-Rezension auf Kaufverhalten. 30% kaufen nicht wg. schlechter Besprechung, gut 50% kaufen wegen positiver Kommentare.
CM: Menschen sind (nicht mehr) nur Mediennutzer, sondern steigen in die Kommunikation ein. Das Internet macht erwachsen und mündig.
Ossi Urchs: Web wird zum Marktplatz.
RF: Die junge Generation denkt über diese Themen ohnehin nicht mehr nach - sie leben Web 2.0
Chr. Salzig: wie ist das mit dem Integritätsverlust von Bloggern, die auf ihrer Site auch was verkaufen?
### snip: längere Anekdote von PK über seine Kommunikation mit einem bekannten deutschen Blogger ###
Peter Kabel möchte, dass Marken nicht veränderbar sind. (Genau das, sagt Peter Kabel, soll jetzt kein Blogger schreiben.)
Marke, sagt er, hat nichts / nicht nur was mit einer guten Hotline zu tun. Sondern mit Autorität und Präsenz.
Und Ossi Urchs sagt, dass dieses Markenverständnis nun endgültig durch sei. Zitiert Meffert: Marken definieren sich über die Art und Weise ihrer Vernetzung.
MK: kontert auf die Kabel-Anekdote mit dem Peek-a-boo-Spiel seiner Tochter. Und will sagen: wir haben gar nicht in der Hand zu entscheiden, ob das digitale Medium und seine Auswüchse gut oder schlecht sind (oder zu finden sind). Das Medium ist da und man muss sich ihm stellen. (Das mag für ein Unternehmen, v.a. eins mit einem anderen Kerngeschäft, gelten - die Nutzer, die Menschen, die Onliner tun gut daran, ein bisschen Gestaltungswillen walten zu lassen. AR)
Chr. Salzig: Geht die Authentizität verloren, sobald Geld reinkommt? Wenn Google über YouTube-Videos Produkte vertickt, ist dann das Portal kaputt?
CM: ist da entspannt bis schmerzlos und verweist auf das selbstreinigende System.
Das Internet sei der Spiegel unserer Welt (sagt CM), die Nutzer seien hie wie da dieselben und das Internet werde nicht auf dem Computer bleiben. Internet ist die Verlängerung unseres Lebens auf eine digitale Plattform.
RF: Im Web 2.0 verlieren die, die Autorität hatten, einen Teil davon. Expertenwissen wird zu Meinungswissen.
Chr. Salzig: Kontrollverlust (der Marken) = Qualitätsverlust, auf dem Weg ins Banale.
Ossi Urchs: nee, nur die Unterschiede werden größer. Wer mit seiner Marke Betrug am Kunden betreibt, bekommt eben die Quittung.
Jeder ist Sender und Empfänger und die Marken müssen lernen, auch Empfänger zu sein.
### So, jetzt geht’s ins Publikum (Ich weiß nicht, wie’s dem geneigten Leser geht, aber ich kann mit dem netten Leih-MacBook des Gastgebers noch ne runde Stunde. AR) ###
(Vielleicht kann man am Ende des Jahres mal den treuesten medienmittwoch-Besucher und den Besucher mit den kreativsten Publikums-Fragen küren. Nur so nebenbei …)
MK: Der Kunde ist nicht doof. Man muss ihn ernstnehmen. Ihn ignorieren ist das Dümmste, was man machen kann.
### Chr. Salzig bittet nach all den Männern jetzt um einen weiblichen Beitrag. Es meldet sich aber nur ein junger Mann im längerem Haar. ###
Der fragt: Wozu braucht neckermann.de eigenes Web 2.0, wenn es mit guten oder interessanten Produkten eh in die Blogs kommt. Und was ist mit Fake-Beiträgen? Und wieviele Leute braucht man, um das Web 2.0 auf der eigenen Seite zu gestalten und zu betreuen?
MK: Faken sollte man nicht. Man muss einfach Platz schaffen für Rating und Ranking und Co. Mit Web 2.0 investiert man in sein Netzwerk, und das ist zukunftsträchtig (und besser als TV-Werbung).
Frage vom selben Besucher (mal übersetzt): wie geht neckermann.de mit Zensur um?
MK: neckermann.de übt Hausrecht aus (auch mal von mir roh übersetzt AR).
Tobias Kirchhofer bittet darum, Affiliate Marketing und Social Commerce nochmal begrifflicht sauber zu trennen.
CM: erklärt. Affiliate nutzt Werbemittel, das vom Anbieter zur Verfügung gestellt wird. Führt Klick zu Kauf, gibt das Kohle für den Affiliate. Social Commerce = Menschen teilen anderen Menschen mit, was sie gut finden, vertreiben akzeptierte Produkte selbst in zusammengeklickten Shops, geben damit ein Statement über sich selbst ab und werden dadurch mit anderen Menschen vernetzt, die ählich denken.
RF: Medienmittwoch soll doch mal mit Spreadshirt eine T-Shirt-Produktion auf seine Website machen (Timm?! Liest du mit?!). Das sei die höchste Stufe von Social Commerce.
Chr. Salzig fasst zusammen: Social Commerce ist ein Stück mehr als Affiliate Marketing. Sondern ein klares Bekenntnis zu einer Marke. Im eigenen und erweiterten Netzwerk.
Nicoles Stiller von Hotwire PR: haben mit Ipsos die Studie gemacht und stellt sie Interessenten gern zur Verfügung. Kostenlos, also ist der Beitrag ein Social Commerce. Und Dr. Krechting empfiehlt die Studie auch nicht, um die dann zu verkaufen - auch kein Social Commerce. (Hallo Herr Stiller, falls Sie mitlesen: ich nehme gern eine! AR)
### Schlusswort von Dr. Krechting — die Leser müssen jetzt den Rechner ausmachen, aber wir hier sind zum Social Networking IRL eingeladen. ###
Übrigens: Ich habe mir heute Abend arg Mühe gegeben, treulich zu kommentieren und einiges ließ sich auch als O-Ton einfangen. Später in der Diskussion haben die run-on sentences zugenommen und ich musste einfach ein paar Dinge auf den Punkt bringen - in Worten, mit denen sich die Sprecher vielleicht nicht zitiert wissen möchten. So ist das eben mit Blogs, v.a. live-Blogs. Die Kommentar-Funktion ist offen für alle, die Ergänzen, Berichtigen oder sich sonstwie einbringen möchten.
P.S.: Das Problem mit den Frauen kann man ja auch über die Gestaltung des Podiums lösen …
Nachtrag: das mit den Ohrensesseln scheint nicht so funktioniert zu haben. Obwohl ich mir echt Mühe gegeben habe. Vielleicht hätte ich gleich Google Checkout einbauen sollen. Aber das der Händler jetzt der Bloggerin die Schuld für ausbleibenden Umsatz gibt, ist nicht social …
8. November 2006 at 23:24
Hallo, Frau Dr. Rau,
Doch, Sie sind schuld, dass noch keine Ohrensessel verkauft wurden. Eine/r muss ja schliesslich schuld sein, oder ? So isses in social environments.
@ Nicoles Stiller von Hotwire PR: /Ipsos Studie - ja, die hätte ich auch gerne. Wo gibt’s die nochmal ?
Ansonsten fand ich, dass es ziemlich leicht ist, mit vollen Budgets über die Möglichkeiten zu sprechen, die vielen One-Man-Shows jedoch schwerfallen dürften. Z.B. funktionierende Logistik, Callcenter, 24/7-Service, etc..
Und den Tipp, als Powerseller mit ebay anzufangen, finde ich persönlich gefährlich. Wie leicht ist es, sich mit 100 oder 1000×1€ Produkten eine gute Reputation, sprich gute Beurteilungen, aufzubauen, die nicht wirklich etwas taugt.
Worauf es meiner Meinung nach ankommt ist ein Umdenken beim ROI:
Le ROI est mort. Vivre le ROI. Return On Imagination. Einfach tun und seinen eigenen Stil finden. Das produziert Authentizität und macht den Online-Händler anfassbar. So wird Vertrauen aufgebaut.
Meine Meinung.
Andreas Wiedow
Btw . . . den Hinweis ‘No Comments’ hier im Blog finde ich irreführend, Wie wär’s mit ‘Comment here’ ? Ne Voransicht bevor ich submitte wäre wünschenswert.
9. November 2006 at 00:30
Liebe M2-Besucher,
ganz im Sinne des Social Web hier noch einmal das Angebot von Hotwire, Ihnen die Ergebnisse der Hotwire IPSOS Studie zum Einfluss von Blogs und “user generated content” auf Kaufentscheidungen zukommen zu lassen. Eine E-Mail mit Ihren Kontaktdaten an meinen Kollegen Nicolas Stiller (nicolas.stiller@hotwirepr.com) oder mich (tapio.liller@hotwirepr.com) genügt.
Den von Herrn Krechting zitierten FAZ-Artikel finden in der Ausgabe vom Montag, 6.11. auf Seite 19. Außerdem derzeit kostenfrei online unter http://www.faz.net (nach Hotwire suchen).
Alsdann, beste Grüße und bis zum nächsten Medienmittwoch!
Tapio Liller
Hotwire
9. November 2006 at 00:33
Also: ich fand, dies war ein sehr interessanter und durchaus erkenntnisreicher Abend - soweit das bei diesem komplexen Thema überhaupt darstellbar ist. Kompliment an die Veranstalter und alle Beteiligten!!!! (einschliesslich der Blogführerin).
Und um gleich zwei Vorurteilen zu begegnen:
1) “Keine Frau meldet sich???”
Es ist nicht so, dass Frauen sich nicht trauen - bloss (um mit Maggie Thatcher zu sprechen): Frag einen Mann, wenn du eine Meinung haben willst; Frag eine Frau, wenn du etwas GETAN haben willst. Deshalb:
2) “Das mit den Ohrensesseln funktioniert nicht???!!”
HIERMIT BESTELLE ICH so einen offensichtlich superbequemen roten neckermann.de Ohrensessel zum sensationellen (und sehr charmant angepriesenen!!!!!) 20% Off Angebot von Herrn Gutschi für mein Büro! Ich mache das auf diesem Wege, da ich nicht weiss, ob der herkömmliche Bestellservice (=das in der Diskussion erwähnte oftmals nachhinkende Back-End) in diesem Falle auch schon ausreichend über dieses Angebot informiert ist. Und die SMS/mobil-Nummer und e-mail Adresse von Herrn Gutschi wurden leider (aber verständlicherweise) auch nicht kommuniziert.
Statt der bequemen 24-Stunden-Lieferung hole ich das Teil übrigens supergerne persönlich und gemeinsam mit meinen Kollegen ab (wir sitzen 5 km in direkter Linie)
Denn uns interessiert brennend die Frage:
Was war das denn nun für ein Produkt, das nach 5 Stunden (wegen unerfüllbarer Nachfrage oder technischer Probleme???) vom Screen genommen werden musste?
In spannender Erwartung
Sabine Schmidt
9. November 2006 at 10:06
Gelungener Medienmittwoch, alles sehr social!
Alle sagen immer: Der Kunde ist nicht doof. Na klar, wäre auch Selbstmord seine eigene Kunden für doof zu halten. Aber ist es wirklich so? Fallen nicht unendlich viele auf Nigeria Mails, Phishing-Seiten in ächt korrektem Doitsch und Schund-Schnäppchen rein? Wie kann man eigentlich offen über seine Kunden diskutieren, ohne sie vor den Kopf zu stoßen?
Und schade, dass wir nicht wissen, welches Produkt bei Neckermann.de gleich wieder rausgenommen wurde. Hat einer eine Idee? Welche Google-Strategie wenden wir an, um es rauszubekommen? Das ist doch mal ne Aufgabe!!
9. November 2006 at 11:06
Peter Kabel hat in einem Nebensatz die ganze Authentizitäts, Autoritäts-und Markendiskussion auf den Punkt gebracht: Communities bilden sich um Themen.
In diesen Communities gibt es Expertenwissen. Experten haben Autorität, weil sie etwas wissen. Und dieses Expertenwissen wird auch in Zukunft angezapft werden. Es ist für denjenigen, der nach Informationen (und fundierten Meinungen sucht) relevant. Relevanz und Autorität hängen in diesem Punkt zusammen. Und hieraus folgt weiterhin: Wer relevant bleiben will, muss in bestimmten Punkten (z.B. in Fragen der Markengestaltung) auch Autorität ausüben. Wer sich da komplett gehen lässt, wird austauschbar und dem Nutzer gleichgültig…
Das hat m.E. nichts damit zu tun, ob man Web 1.0 Opa ist… Es hat was mit Persönlichkeit zu tun.
Letzetn Endes brauchen wir alle irgendwann einen Navigator. Und da wenden wir uns lieber an jemnden mit Expertenwissen, als an jemanden mit Meinungswissen. Sonst erleiden wir Schiffbruch. Und hierin besteht die Chance für Marken und die “alten” Medien - Navigator sein, authentisch sein, Persönlichkeit haben.
9. November 2006 at 12:12
Wobo, da hast Du Recht. Das Eine tun heißt aber nicht das Andere zu lassen. Marken sind in sozialen Netzwerken nichts anderes als ein weiterer Knoten, der sicherlich zunächst mal mehr aufgeladen sein kann als z.B. der von Erna Schmidtchen. Marken sind im Netz aber unkontrollierbaren Friktionen ausgesetzt. Darauf muss sich die Markenpolitik einstellen und Facetten einer Marke herausbilden, die offene Schnittstellen zu solchen “basis-demokratischen” Vorgängen ermöglichen. Der selbstgedrehte Werbespot für Coca Cola geht eben nicht zur Abnahme durch die Werbeabteilung, sondern erfährt seine Adelung durch die Akzeptanz der Mikro-Community des Autors. Souverän ist eine Marke die das aushält und dessen Markenkern dabei nicht angegriffen wird. Eine Marke ist heute mehr ein adaptives System von kommunikativen Schnittstellen das verlässlich Versprechen erfüllt.
10. November 2006 at 11:41
Expertenwissen vs. Meinungswissen, wenn man dass nur immer gut unterscheiden könnte. Bauen nicht gerade Marken nicht auf Wissen auf, sondern auf Meinungen? Zeigte Prof. Kruse in seinem schönen Vortrag beim medienmittwoch nicht gerade, dass Marken sich im limbischen System des Gehirns verankern, also nicht da, wo die Ratio sitzt? Klar, wir brauchen einen Navigator, der aber nicht unser Expertenwissen abbilden soll (denn das wäre ja langweilig), sondern unser holistische System an Erfahrung und eigenen Meinungen, verknüpft und vernetzt mit den Meinungen anderer.
Ob ein user generierter Werbespot für Coca Cola letztendlich die Marke stärkt oder schwächt hängt wahrscheinlich davon ab, ob er in das holistische System der Marken-Affinen Brausetrinker passt und eingebaut werden kann, oder eben nicht.
Ist YouTube schon eine Marke? Ist Napster noch eine? Und was ist mit Altavista, das kennen ja nur noch Web 1.0 Opas, war aber mal vor Google ganz angesagt.
Native Immigrants, bitte halten Sie Ihre Ausweispapiere bereit…
12. November 2006 at 11:24
[...] Die Diskussion wurde (relativ komplett) live mitgebloggt. Es wurde nichts sonderlich neues angesprochen, aber die Meinungen waren doch ganz interessant wenn auch wenig kontrovers. Ich fand aber, dass zu wenig auf die Möglichkeiten der großen Online-Shops mit Web2.0 eingegangen, und auch Neckermann hatte auf die direkt gestellt Frage aus dem Publikum keine wirklich befriedigende Antwort. Schönstes Beispiel für gut funktionierenden Social Commerce war dann auch ein kleines Wolle-Geschäft aus Frankfurt, der mit einem kleinen Shop online ging und über seinen eigenen Blog dann in der Blogosphäre bekannt wurde. Leider taucht das Beispiel nicht in der Mitschrift auf. [...]
13. November 2006 at 01:50
MedienMittwoch-Weblog » Social Commerce meets eCommerce
“Es ist soweit: Tobias Kirchhofer eröffnet den Abend. eCommerce und Web 2.0 - wie bewegt sich und was bewirkt diese Synthese?”
11. Dezember 2006 at 18:00
[...] Heute abend fand in Frankfurt der 59. Medienmittwoch statt. Titel der Veranstaltung war “Social Commerce meets E-Commerce” und somit bestens geeignet, den anwesenden Marketeers
das Höschen feuchtdas Wasser im Mund zusammenlaufen zu lassen. Und auch der Veranstaltungsort war mit dem Sitz von neckermann.de perfekt gewählt: Immerhin hat Deutschlands drittgrößtes Versandhaus doch bereits mit der Umbenennung in “neckermann.de” ein klares Zeichen und auch danach klare Ziele gesetzt. Und wenn man vom Layout der Seite einmal absieht (ein wunderbares Durcheinander, fürwahr — aber dafür ist die “Stöberbility” recht hoch) wurde das Medium hier auch richtig ernst genommen. Eine kurze und interessante Beschreibung des Neckermann-Modells findet sich übrigens auch bei Exciting Commerce: “Wie Neckermann.de mit externen Händlern kooperieren will”. [...]14. Februar 2007 at 22:48
Events – Wie Marken und Unternehmen erlebbar werden –
so lautete der Titel dieses M2-Abends (von denen ich, das nur schon vorab, viele großartige erlebt habe). Zugleich sollte eine Branche sich vorstellen, die Branche der Event-Agenturen. Wer, fragte man sich allerdings vor dem Eintritt in diese Veranstaltung, leistet sich eine Visitenkarte, auf der man als Besucher die Firmierung »eine Viertelstunde vor dem Eingang stehen« findet? Genauer gesagt, wer wirbt damit, daß bei einem Event vier bis fünf Leute am Eingang postiert sind, die im Strudel der verwirrt Hereintretenden zwischen vier Tischchen hin und her hetzen, auf denen die nach Namen sortierten Ansteckschildchen der Besucher aufgestapelt sind, wodurch die exorbitante Warteschlage von rund 40 Metern Länge vor dem Eingang entstanden war? Wer präsentiert daraufhin seine Event-Kompetenz mit weiteren 10 Minuten Warteschlange vor der Garderobe?
Zugegeben, alles kann mal aus dem Ruder laufen, die Location ist charmant, da wartet man schon gerne mal entspannt in den Feierabend zum Branchengespräch. Aber welche Events werden denn da veranstaltet von den Podiumsteilnehmern, wenn das Mikrophon mehr als Feind angesehen wird und sodann jede, aber auch jede Beamerpräsentation, um die 8 Stück, wieder mit Rätselraten am Gerät beginnt, nicht mal die Vergrößerung zu regeln ist von den Eventern, von der Mikro-Lautstärke ganz zu schweigen?
Ruhig, nur ruhig! – Herr Pajunk für die Veranstalter M2 hatte seine Sache wacker und dezent geleistet. Aber von da an wirkte auf mich alles andere dieser Präsentation eher desaströs: Große Zahlen lieben wir alle, und sie wurden schwungig aufgeführt, und dazu vermeldet, man deale »mit allen möglichen Inhalten«. Dieses »alles mögliche«, durfte man vermuten, die Inhalte nämlich, zählen nichts und sind im Spektakelhaften der vorgeführten Events vernachlässigbar. Zwar merkt Herr Hunzinger an, »man legt wieder mehr Wert auf Content«, und erläutert uns dankenswerterweise: »also auf Inhalte«, aber so recht ist das nicht glaubwürdig geworden. Daß der vorgeführte Film über eine Incentive-Veranstaltung zum Einstieg der Kandidaten-Vorstellungsrunde insgesamt wie einer jener 70er-Jahre-Streifen der Kino-Werbungs-Werbung daherkommt, mag persönlicher Eindruck, also Geschmackssache sein. Aber daß alle sich Präsentierenden ihre Selbst-Vorstellung eher langwierig herunterschnarren, dabei teils sogar auf ihren Barhockern lümmeln, ist schon weniger Geschmackssache – es führt dazu, daß man nur halb hinhört, weil die Vortragenden ihren Auftritt offenbar selbst nicht so ganz ernst nehmen.
Derlei könnte ein Moderator auffangen, und an ihn hatten die Veranstalter gedacht. Aber die investigativen Fragestellungen dieses Moderators beginnen mit »Also, was ist denn jetzt eigentlich so angesagt im Event-Cooking«, und er schließt fast jeden Gesprächsabschnitt mit »Okay – alles klar!« ab. Ein Moderator als Kumpel, gelle, alles klar. Nee, dann doch nicht. Denn beispielsweise auf die drei mühseligen Fragen aus dem Publikum wird nicht in einem Fall konkret geantwortet – gar nichts klar! – So schön es ist, daß jemand den unternehmerischen Mut hat, den Frankfurtern den »Sound of Frankfurt« zuteil werden zu lassen, so seltsam mutet es an, daß auf die Frage nach einer vergleichbaren Veranstaltung und deren vermutlich besser funktionierendem Sponsoren-Fonding in Wien beschieden wird, man wisse nicht, »was die da in Österreich machen« – spezielle Form des Benchmarkings in der Envent-Branche? Die endlich in eine gewisse Gelöstheit geratende Moderation fragt spät die Diskutierenden, die sich gleichwohl mehr selbstdarstellten als ihre Branche und deren Besonderheiten, welche Lieblingsprojekte sie gerne einmal, so als Traum-Auftrag mit oder ohne Kunden, realisieren würden. Das wird es mühsam am Podium. Schade. Fast hätte das an dieser Stelle ein Gespräch werden können.
»Man muß eine eigene Note hinterlassen«, sagt uns der Moderator zum Ende des Events, der durchaus gut besucht war. Schöner Satz. Dies Note riecht nach Erfahrung. Die indes würde gelehrt haben, daß jeder Event doch irgendwie zur Kommunikation, die zwischenhin auch brav dreifach als Selbstverständlichkeit beschworen wurde, dienen sollte. Da formt sich einem jedoch ein kleines »Aha«, wenn die Veranstaltung derart vorbereitet ist, daß die Disputanten bei der knappen Frage-Runde durchs Publikum eben dieses ihr Publikum nicht verstehen können. Hat halt niemand dran gedacht – so wie man insgesamt darstellte, daß man an das Publikum nicht wirklich denken muß: Schon über manche Kunden, an dem man gleichwohl große Aufträge verdient hatte, wurde vom einen und anderen auf dem Podium mehr als abfällig gesprochen, sogar unter Namensnennung, aber der Endverbraucher, also der Kunden-Kunde, der bekam sein Fett gleich mehrfach und dickst weg: Manche Verbraucher-, Gäste- und Konsumenten-Gruppen braucht man in der Event-Branche so wenig, daß man sie als lästige »Techno-Schranzen«, andere als »Nix-Blicker« bezeichnen zu dürfen meint. Da muß es nicht wundern, daß auf das Monitoring im schlichtesten Sound-Sinne auch im gegenwärtigen Saal gar nicht erst reflektiert wurden. – Dumm dann, daß nach der Veranstaltung einer der Podiumsteilnehmer direkt hinter mir zum Besten gibt, wie er neulich in einer Disko, weil er es eilig hatte und eh müde war, sich an der Garderobe einfach vor die Warteschlage vorgedrängelt habe, denn »die« in der Schlange hätten ja eh nur ihre Zeit totzuschlagen gehabt.
An der Garderobe des Abends waren die beiden Mitarbeiter des Clubs schließlich sehr freundlich, ich mußte auch nicht mehr lange anstehen nach meinem Mantel. Vorgedrängelt hat sich auch niemand. Da hat was geklappt. Aber wenn diese Branche, die Unternehmen Event-Agenturen so erlebbar werden, dann ist das ein Event, das nicht wirklich sympathisch macht.
Axel Dielmann